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Zeitlinien des Alltags

Samstag, 17. Februar 2007

Aufgeflogen

Ich weiß nicht wie, aber ich bin unzweifelhaft aufgeflogen. Hier lesen Personen mit, für die der Inhalt des Weblogs nicht bestimmt ist; jetzt habe ich den Beweis. Wenn diese Personen in meiner unmittelbaren Nähe nicht eine entscheidende Rolle spielen würden, wäre es mir sicherlich egal. Aber meine Anonymität ist und bleibt eine entscheidende Voraussetzung für das Bloggen. Wenn ich jemandem dennoch die URL meines Blogs mitgeteilt habe, war ich mir ziemlich sicher, dass er mich sehr gut kennt und weiß, wie manche Beiträge, die etwas über das Ziel hinausschießen, zu verstehen sind. Es gibt genügend andere Bloghoster und noch eine Fantastilliarde an Pseudonymen, aber den einen, einzigen Wilden Kaiser wird es nun eben nicht mehr geben. Nach Sichtung und Sicherung meiner Einträge werde ich mich einer anderen Karawane anschließen. Euch wünsche ich alles Gute. WilderKaiser

Freitag, 16. Februar 2007

Zu laut

Andere Menschen empfinde ich derzeit wie auf volle Lautstärke aufgedrehte Lautsprecher. Ich kann mich bei der Anwesenheit von anderen Menschen kaum auf etwas Anderes konzentrieren, geschweige denn auf mich selbst und meine Gedanken und Gefühle. Dafür erfasse ich selbst feinste Nuancen im Verhalten anderer, und wenn ich öfter mit ihnen zu tun habe, manipuliere ich sie so lange, bis sie mir zu erkennen geben, dass sie mich mögen und ich mich nicht mehr von ihnen bedroht fühlen muss. Das Spiel kann so weit gehen, dass mir nur eine recht oberflächliche Sympathie signalisiert wird, die bei der ersten Gelegenheit in Ablehnung, Verachtung und Hass umschlägt. Fremde Menschen bescheren mir regelmäßig einen hohen Stresspegel, der sich bei mir in psychosomatische Reaktionen, wie z.B. einen erhöhten Blutdruck und Puls, umsetzt. Meistens nehme ich diese körperlichen Begleiterscheinungen gar nicht wahr. Abends ziehe ich dann ein klitschnasses T-Shirt aus und bin lediglich zu dem Gedanken fähig, dass der Tag anstrengend war. Oft ziehe ich mich einfach zurück, um wieder frei und ungebunden sein zu können. Ich finde einfach keinen Weg, dieses Gefühl auch bei anderen beibehalten oder mit ihnen teilen zu können.

Dienstag, 13. Februar 2007

Übung macht aggressiv

Manchmal, in stillen Abendstunden, in denen in der Wohnung unter mir das Klavier misshandelt wird, wünsche ich mir Glenn Gould, Vladimir Horowitz oder Friedrich Gulda als Nachbarn. Das Haus ist ja wirklich hervorragend schallgedämmt. Gut, dass sich in meiner Wohnung bis dato keine anderen lautstarken Aktivitäten entfalten. Aber ich blicke zuversichtlich in die Zukunft - in spätestens fünf Jahren wird mir Chopin vorgespielt werden. Oder ich misshandle mal das Klavier.

Sonntag, 11. Februar 2007

Kuriositätenkabinett

Die einzige Kuriosität, die mir an mir selbst auffällt, ist die Gewohnheit, längere Texte in Zeitschriften und Zeitungen mitten im Text zu beginnen, den Text zu Ende zu lesen und dann den übersprungenen ersten Teil nachzuholen. Texte, die in ihrer Mitte keinen Anknüpfungspunkt bieten, werden von mir als höchst anstrengend und sperrig empfunden. Die Zeitschrift, die mir in dieser Hinsicht am meisten entgegenkommt, ist der "Spiegel". Bei der "Zeit" wird es schon schwieriger, und die "Süddeutsche" geht überhaupt nicht. Über die restlichen 1000 Macken, die bestimmt vorhanden, aber mir momentan nicht so präsent sind, breite ich jetzt mal gnädig den Mantel des Schweigens.

Donnerstag, 8. Februar 2007

Passendes Gefühl gesucht!

Ich war heute Trauzeuge bei der standesamtlichen Trauung der Frau, die ich schon seit Jahren abgöttisch liebe. Wenn es jemals einen Beweis meiner Freundschaft gegeben hat, dann doch diesen. Wie es in mir aussieht, wage ich nicht mal zu beschreiben, doch wem sollte ich auch davon erzählen? Das war heute definitiv einer der schwärzesten Augenblicke meines bisherigen Lebens. Mehr kann ich dazu eigentlich momentan nicht zu sagen.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Auf unbestimmte Zeit

Closed

Montag, 5. Februar 2007

Mein schlimmster Traum

Mein schlimmster Traum war eindeutig derjenige, in dem mir der Teufel als roter Affe in einem Käfig begegnete, der im Seitenschiff einer Kirche stand. Daran schloss sich die falsche Hochzeit mit der falschen Person an, die mit mir gemeinsam das Grab meiner Großeltern väterlicherseits besuchte. Seltsamerweise treffe ich den Teufel im Traum immer in den Räumen einer großen, alten Kirche. Leere, dunkle Kirchen jagen mir auch in der Realität einen unwillkürlichen Schrecken ein.

Sonntag, 4. Februar 2007

Astronauten

Als Kind hatte ich einen schlimmen Alptraum, der mich schreiend aufwachen ließ. Ich besaß damals ein Kinderbuch über Astronomie und Raumfahrt, das zu meiner Lieblingslektüre gehörte und das ich hütete wie einen Schatz. Die Umschlagseiten waren mit dem wiederkehrenden Motiv eines schwerelos im schwarzen All schwebenden Astronauten bedruckt, dessen Gesicht von einem schwarzen Visier vollständig verdeckt wurde. Genau darauf nahm auch mein Traum Bezug: ich sah zwei Astronauten, die schwerelos auf einem Feld, das ganz nahe bei meinem Heimatdorf lag, auf eine Eisenbahnschranke zuhüpften. Eine Stimme aus dem Off kommentierte das Geschehen mit den Worten: "Mein Gott, die gibt es ja auch noch!", und genau in diesem Augenblick wurde mir klar, dass es sich nicht um Menschen handelte, die in den Raumanzügen steckten, sondern um Außerirdische. Dieser Gedanke jagte mir eine unbeschreibliche Panik ein, da niemand ihr Gesicht sehen konnte und nur ich wußte, dass der Raumanzug nur eine Tarnung war, um die Zuschauer zu täuschen. Unendlich langsam bewegten sich die Astronauten auf die Schranke zu, und es schien mir, als würden sie sich dort endgültig zu erkennen geben. Die Spannung und auch die unheimliche Stille dieser Szene waren an der Grenze des Erträglichen und entluden sich schließlich in einem Schrei.

Freitag, 2. Februar 2007

Vier

Seit heute abend 18 Uhr bin ich stolzer Besitzer von vier Videothekskarten (btw: sollte man jetzt nicht mal schön langsam die Umbenennung in DVD-o-thek in Angriff nehmen?). Zwei davon kann ich rund um die Uhr einsetzen, und die letzte hat ein superedles Goldfinish. Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll.

Aber das ist ja noch gar nichts, gemessen am tragischen Dilemma, das dem ziemlich schrägen und verpeilten Mitarbeiter der 24-Stunden-Videothek vorgetragen wurde: "Ich habe gehört, sie schließen im März wieder." "Nein, das stimmt so nicht ganz...bis August haben wir auf jeden Fall noch offen." "Hören Sie: das Fingerabdrucksystem ist Scheisse, und wir haben so viel Guthaben auf der Karte, dass wir jetzt dazu übergegangen sind, uns bereits zum Frühstück DVD´s anzusehen, also morgens, mittags und abends. Das ist immer eine Geduldsprobe, hier DVD´s auszuleihen." Ich weiß nicht, was er zu ihr gesagt hat. Auf jeden Fall war sie nach diesem Gespräch plötzlich verschwunden. Kein Wunder, wenn einen der Geruch eines toten Elchs bei diesen Worten in die Nase steigt: "Hhhhhaben Sie ein Problem? Kann ich Ihnen hhhhelfen?"

Dienstag, 30. Januar 2007

Fünfe gerade sein lassen

Aus aktuellem Anlass fünf Dinge aus der Grabbelkiste, auch mein Leben genannt:

1. Verhaftung: Ich stand schon einmal kurz vor der Verhaftung. Paradoxerweise war es mein stark alkoholisierter Zustand, der Schlimmeres verhinderte. Grund war mein plötzliches Verlangen nach Weihnachtskugeln, das mich mitten in der Nacht auf dem scheinbar menschenleeren Weihnachtsmarkt überfiel.

2. Operationsnarbe: Die größte Narbe, die durch eine etwas unbedachte Paketöffnungsaktion mit einem entsicherten Teppichmesser entstand, ziert meinen rechten Oberschenkel. Ich blutete sehr stark, war aber glücklicherweise innerhalb von wenigen Minuten in der Notaufnahme. Schmerzen spürte ich erst bei den letzten drei von zehn Stichen des Chirurgen.

3. Schmerzen: Richtig schmerzhaft wurde es, als mir ein Arzt einmal einen Abszess ohne Betäubung aus der Achselhöhle schnitt.

4. Theater: Ich spielte vor 13 Jahren die Hauptrolle in Ödön von Horvaths "Italienische Nacht" auf einer mittelgroßen Bühne (6 Aufführungen mit durchschnittlich 300 Zuschauern) und wurde danach in persönlichen Gesprächen gnadenlos verrissen.

5. Genua: Ich irrte in der Zeit nach dem Abitur drei Tage lang ziemlich planlos durch die Gassen der Genueser Altstadt, konnte mich kaum auf Italienisch verständigen und lag nachmittags auf meinem Bett im Hotelzimmer, um "The Doors" mit meinem Walkman zu hören und an die Decke zu starren. Obwohl ich eigentlich irgendwo an den Küsten Liguriens im Meer baden wollte, wurde es mir irgendwann zuviel und ich flüchtete wieder über den Brenner. Am Münchner Hauptbahnhof gönnte ich mir dann erst einmal ein ordentliches Frühstück.