
Die Mondkarte des Tarot zeigt uns eine fremdartige und doch vertraute Welt, eine Welt, die "hinter dem Spiegel" liegt. Alles ist in Bewegung - die zitternden Flammen des Mondes, die aufgewühlte Wasseroberfläche im Vordergrund, die beiden merkwürdigen Tiergestalten. Die Gefühle sind aufgewühlt, aber es ist nur ein unbestimmtes Zittern an der Oberfläche zu spüren, ein Hauch auf der Haut, der einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Nur die Türme, die eine Art Pforte markieren, stehen aufrecht und unbewegt, aber sie sind abweisend und bieten keine Zuflucht. In der Mitte schlängelt sich ein heller Weg bis hin zum Krebs, der halb aus dem Wasser herausragt. Hier ist niemand mehr, der diesen Weg beschreitet, hier ist nur noch ein Weg, der beschritten werden soll. Die Figur der Persona ist im Zyklus des Sterbens und Wiederauferstehens untergegangen und spielt nun keine Rolle mehr. Es gibt nur noch den Mond, der über alles sein Licht ausgießt, das die Landschaft im Hintergrund blau färbt. Zur gelösten, fast tröstlichen Seite des Mondes gelangt man jedoch nur, wenn man durch die beiden Tiergestalten und die Pforte, die die beiden unheimlichen Türme bilden, hindurchwandert. Eben noch hat man sich mit dem Wasser des Lebens gereinigt (gemeint ist der Stern, Trumpf XVII), da ändert sich plötzlich die Landschaft und man sieht sich den Traumbildern des Mondes ausgeliefert. Während der Hund zur Linken als Zeichen seiner tierischen Instinkte den Mond anheult, aber sonst gezähmt ist, läßt der Wolf zur Rechten ein bedrohliches Knurren hören, das ihm der Mondschein entlockt. Beide sind Instinktwesen, die die Angst ihrer Opfer erspüren können und in dem Augenblick, in dem die Panik am größten ist, plötzlich zubeißen. Auch der Krebs zeigt seine Zangen als Ausdruck seiner Gefährlichkeit - bekommt er jemanden zu fassen, zieht er ihn in die Tiefen des von ihm bewohnten Wassers hinab. Hier kann nur jemand bestehen, der keinen Schatten wirft, der seine Persönlichkeit vollständig aufgegeben hat, aber nicht deshalb, weil er ein bestimmtes Ziel erreichen will, sondern einfach aus einer Notwendigkeit heraus, so wie ein Schmetterling aus einer Raupe schlüpft, weil ihm das Gefängnis seines eigenen Kokons zu eng geworden ist. Nur er wird von den Tieren nicht bemerkt werden. Es sind alte, animalische Ängste, die die Szene beherrschen - sind sie überwältigend, oder ist das Vertrauen größer als jede Angst? Vor dieser Frage wird jeder stehen, der den Trumpf XVIII in einem Spiel gewählt hat.