Perspektiven

Samstag, 18. März 2006

Gennaio

Boreas brüllt, zerfetzt wohl die Bäume.
Die Amseln sprechen nicht mehr.
Der Gärtner schwebt über geschnittenen Hecken, notiert
Die abgestürzten Orangen.

Wir zwischen weißen Tüchern
Knöchlein an Knöchlein.

Sarah Kirsch

Samstag, 28. Januar 2006

Mozart und Gould

Wer wissen will, wie echt die verzehrende Flamme des Mozarthasses klingen kann, sollte sich die Einspielungen der Klavierkonzerte Mozarts mit Glenn Gould anhören. Glenn Goulds Interpretation des "Wohltemperierten Klaviers" von Bach zum Beispiel ist zum Niederknien, ein lyrisch-intellektueller, herber Genuss, aber die Klavierkonzerte Mozarts verzerrt er extrem und karikiert ihren Gestus, indem er die Tempi völlig unabhängig von Mozarts Vorgaben wählt und kaum von seinem Non-Legato-Spiel abweicht. Das erinnert mich an das griechische Schauspiel - wurde in der Tragödie die conditio humana so dargestellt, dass sie an die Sphäre des Göttlichen angrenzte (so dass in der Tragödie also metaphysische Fragen abgehandelt wurden), so folgte als Erleichterung und Ventil die Parodie, die vom meckernden Gelächter des Pan über die Unbeholfenheit des Menschen durchzogen war. Das literarische Porträt des Exzentrikers Gould lieferte Thomas Bernhard in seinem Buch "Der Untergeher", einem schmalen, aber äußerst lesenswerten Roman, der sich, thematisch passend, mit der Frage des menschlichen Scheiterns befasst.

Sonntag, 18. Dezember 2005

Auf der Suche nach dem Immergleichen

Viele Filme bedienen sich anscheinend aus einem nicht sehr reichhaltigen Repertoire an Filmszenen. Und erst heute ist mir wieder so eine Standardszene über den Weg gelaufen, die, gemessen am wirklichen Leben, so nie passieren wird und vollkommen aus dem Reich der Märchen stammt. Das Filmpaar steht sich in Nahaufnahme - meistens sieht man nur das Gesicht - gegenüber. Sie schmachtet ihn an oder umgekehrt, wobei diese Einstellung nie länger als eine Minute dauert. Beide küssen sich. Schnitt. Schließlich fährt die Kamera auf ein Bett zu, in dem beide nach dem Akt gedankenvoll zusammenliegen. Am Ende der Kamerafahrt sieht man wieder nur ihre Gesichter. Es folgt entweder ein Monolog, ein Dialog, oder einer der beiden Partner ist verschwunden, wenn der andere am nächsten Morgen aufwacht. Was suggeriert diese Szene? Sie lernten sich kennen, küßten sich und landeten anschließend im Bett, und das innerhalb von fünf Minuten. Wahre Liebe im Schnelldurchlauf. Wie realistisch ist die dargestellte Situation? Übertrieben unrealistisch. Aber offensichtlich gefällt sie den Regisseuren so gut, dass sie sie in beinahe jeden Film einmontieren, auch wenn sie nicht zum Film paßt. Egal. "Hey John, nimm doch bitte mal Szene 0815 in dein Skript auf!" "Okay, Chef. Vor oder nachdem Billy zu einem Alien mutiert ist?"

Rauschen

Um auch mal Bruder Paulus zu zitieren:
>>Wie wir Menschen uns auch organisieren: Es...
ElsaLaska - 7. November, 21:05
Besorgniserregender
als die Schweinegrippe finde ich die Rückengrippe....
zuckerwattewolkenmond - 7. November, 21:03
Ich bin ja ein überaus
geduldiger, ausgeglichener, liebevoller, toleranter...
Anobella - 7. November, 16:25
Wortgeschenke
Bei Twitter gibt es eine ganz neue Funktion, mit welcher...
zuckerwattewolkenmond - 7. November, 10:49
Kritikverbot
Heute werde ich mit Nettigkeiten geradezu überhäuft....
zuckerwattewolkenmond - 6. November, 22:24
"Das Kreuz vertritt alle Menschen. Aber auf welche Weise? Niemand...
"Das Kreuz vertritt alle Menschen. Aber auf welche...
ElsaLaska - 6. November, 21:30
Die Offenbarung
Herr N., mein Büromitinsasse, hatte heute eine...
zuckerwattewolkenmond - 6. November, 18:35
Sag ich doch. Stuart Pigott über den Rheingau:
"In vielen dunklen Ecken (des Rheingaus) hat sich jedoch...
Anobella - 6. November, 09:44

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