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Contest

Sonntag, 12. Februar 2006

Schottisches Fiasko

Ich drehte mich um und sah einem Mann in die Augen, der als "der Schotte" bekannt war. Ein Hüne, kräftig, groß, war er einer der gefürchtesten Ausbilder der ruhmreichen sowjetischen Armee gewesen. In dieser Funktion brachte er es bis zum General. Irina hatte mir über schlimme Erfahrungen mit seinen Ausbildungsmethoden berichtet. In Afghanistan wurde er dann als Kommandeur von Sondereinheiten eingesetzt. Sein exzessiver Sadismus war berüchtigt. Was zum Teufel tat er hier? Er schien mich nicht zu kennen, denn sonst hätte er kaum geantwortet, sondern mich sofort angegriffen. Ich blickte auf Irina, die wie schlafend auf dem OP-Tisch lag, und zögerte einen Moment lang. Schließlich zog ich meine Pistole aus der Manteltasche und presste sie auf seine Stirn. Dann befahl ich ihm auf russisch: "Du wirst sie jetzt sofort operieren, ohne dass sie irgendeinen Schaden davonträgt!" Er nickte kurz und schien zu verstehen. Die herumstehenden Schwestern waren kreidebleich geworden. Er winkte eine von ihnen heran und gab ihr kurze Anweisungen. Dann herrschte wieder Stille. Als er sich über die Patientin beugte, flüsterte er: "Ah, Irina!", und begann sofort mit der Operation. Er arbeitete mit flinker, kalter Präzision. Kaum hatte er ihre Wunde verschlossen, rammte er mir mit einer blitzschnellen Handbewegung die OP-Leuchte an den Kopf und verließ Hals über Kopf den Schockraum. Ich lag eine Sekunde benommen am Boden, dann sprang ich wieder auf und forderte die Schwestern auf, Irina zum Wagen zu bringen. Mit Irina auf dem Beifahrersitz fuhr ich aus der Stadt hinaus, bemerkte jedoch, dass uns ein dunkler Wagen folgte, den ich kaum abschütteln konnte. Er kam im Gegenteil immer näher und rammte uns von hinten mit ein paar Stößen. Irina erwachte dadurch aus ihrer Bewußtlosigkeit und sah mich fragend an. "Wo bin ich? Wer bist du?" "Irina, ich bin´s, James. ich versuche gerade, dich in Sicherheit zu bringen." "James, James, James..." murmelte sie vor sich hin. "Ich kenne keinen einzigen Menschen, der so heißt." Im Rückspiegel sah ich das grinsende Gesicht des Schotten. Er setzte gerade zu einem Überholmanöver an, um uns von der Straße zu drängen.

Sonntag, 5. Februar 2006

Irgendwas geht immer schief

Irina fragte beiläufig: "Wer war denn am Telefon?" "Ach, irgendein Anrufer." "So." Ich roch einen feinen, seltsamen Geruch, der in der Luft lag, wie nach verbranntem Plastik. "Die Zentrifuge!" fuhr es mir durch den Kopf. Gleichzeitig tastete ein kleiner roter Punkt blitzschnell die Küchenwände ab. "Irina, Deckung!" Ich versuchte, sie mit mir auf den Boden zu ziehen, während ich mich reflexartig auf den Boden fallen ließ. Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: Glas splitterte, Irina warf sich, an der Schulter getroffen, halb herum, während ein greller Blitz aus der Zentrifuge fuhr, die danach qualmte. Irina lag bewußtlos am Boden. Ich beugte mich über sie. Sie war nur durch eine Kugel an der Schulter verwundet worden, brauchte aber dringend ärztliche Hilfe. Ich hob sie auf und trug sie aus der Wohnung zu meinem Wagen. Danach schloss ich alle Türen und vergaß nicht, an jeder Tür einen Tesastreifen anzubringen. Während ich in das nächstgelegene Krankenhaus raste, wirbelten meine Gedankenfetzen wie in einem Sturm durcheinander. "Ach was, es war doch von Anfang an eine blöde Idee. Sehr idealistisch, aber blöd, da hochgefährlich." Unser Plan drohte durch diesen Zwischenfall zu scheitern. Aber das Wichtigste war jetzt, dass Irina nicht verblutete. Wie konnte ich unter diesen Umständen glaubhaft machen, dass ich vorhatte, mich aus dem Agentengeschäft zurückzuziehen? Das roch geradezu nach Rache. Wer auch immer uns auf den Fersen war, er war gut informiert. Zu gut. Ich hielt mit quietschenden Reifen vor der Notaufnahme. Da ich brüllend im Eingang stand, kamen mehrere Schwestern und Pfleger mit Tragen angelaufen. Irina wurde sofort in den Schockraum gebracht. "Welcher Arzt hat denn heute Dienst?" rief ich voller Verzweiflung. "Ich!" sagte eine Stimme hinter mir, die mir bekannt vorkam. Ich drehte mich um, und meine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

Samstag, 4. Februar 2006

Hexenküche

Irina war eine gute Schauspielerin. Kaum hatte ich die Türe hinter ihr geschlossen, war sie wieder völlig nüchtern. Wir gingen in die Küche, in der im Halbdunkel leise eine Zentrifuge brummte. Irina blickte mich erstaunt an. "Du hast ja ohne mich angefangen!" "Pscht!" Ich legte ihr meinen Zeigfinger auf die Lippen, öffnete einen kleinen Edelstahlschrank, der auf der Anrichte stand, und zog einen gräulichen Block hervor, der in Plastikfolie eingewickelt war. "Und was ist das? Bestes Material, von Wasilji persönlich über die Grenze geschafft!", sagte ich mit einem triumphierenden Unterton. Irinas Augen leuchteten. "Fein! Gib mir das Messer!" Emsig schaufelten wir die Krümel, die wir vom Block abgeschälten, in kleine Probenröhrchen und gossen sie mit einer Trägerflüssigkeit auf. Irina seufzte leicht und lehnte sich an meine Schulter, als wir gemeinsam die Zentrifuge betrachteten, die vor sich hinschnurrte. "Was hast du nun vor?" "Da dein Träger nach unten gerutscht ist, habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: entweder ich ziehe ihn wieder hoch, oder ich ziehe ihn noch weiter nach unten." "James, du alter Schwerenöter. Wir sind fast am Ziel angelangt und sollten uns auf unseren Plan konzentrieren." Das grelle Telefonklingeln riss uns aus unseren Träumen. "Ja, was ist?", bellte ich in das Telefon. "Home & Garden Security. Spreche ich mit Herrn..." Eine professionell freundliche Männerstimme nuschelte etwas in den Telefonhörer. Es dauerte mehrere Sekunden, bis ich begriff. Ich hatte ja heute doch noch diesen Headhunter angerufen, der mir schon nach einem kurzen Gespräch einige gute Stellenangebote versprochen hatte. Der Anruf kam sehr unpassend. Aus den Augenwinkeln schielte ich nach Irina. "Kann ich Sie, äh, morgen, wieder - Sie wissen schon." Dann, etwas lauter: "Nein, da müssen Sie sich verwählt haben!" Ich legte auf. Ich ging zu Irina, die immer noch in den Anblick der Zentrifuge versunken war, und streichelte, hinter ihr stehend, mechanisch ihre Oberarme.

Donnerstag, 2. Februar 2006

Ein durchschnittlicher Tag

Heute morgen weckte mich mein Handy, das mir eine verschlüsselte Nachricht anzeigte. Noch im Laufe des Vormittags sollte mir ein Brief von einem Boten zugestellt werden, worin ein genauer Zeitpunkt und Ort für ein Treffen genannt werden würden. Ich wußte, dass mich Irina bereits erwartete. Also warf ich mich in Schale und fuhr mit meinem eisgrauen Aston Martin zum Frühstück. Irina saß da, perfekt in einem dunkellila Einteiler gekleidet, und ringelte gelangweilt eine pechschwarze Strähne um ihre Finger. Sie lächelte schelmisch, als sie mich auf sie zukommen sah. Ich gab ihr einen Kuss. "Du siehst heute wieder fantastisch aus", flüsterte ich ihr ins Ohr. Sie drückte mich an sich. Ich bestellte Kaffee und blickte ganz kurz auf den Signalempfänger, den ich am rechten Handgelenk trug. "Und: wieder im Einsatz, Mister Bond?" "Ach, du weißt, dass ich es hasse, wenn du mich so nennst." Sie lachte kurz auf. Die Bedienung brachte mir einen Kaffee. Wieder ein möglichst unauffälliger Blick auf das Handgelenk. Ich sah eine kleine, blinkende rote Kugel. Irina war eine ehemalige Doppelagentin, die wesentlich zum Zusammenbruch des sowjetischen Riesenreichs beigetragen hatte. Wir blickten uns vielsagend in die Augen. "Irina, ich habe nicht viel Zeit. Sehen wir uns heute abend?" "Naja, ich werde sehen, was sich einrichten läßt." "Dann stelle ich schon mal eine Flasche kalt." "Riserva del Fondatore." "Ich weiß nicht mehr, wie dein Lieblingsgetränk heißt, aber ich habe vorsichtshalber alle Restbestände aufgekauft." Wieder ihr Lächeln. Sie war einfach unbeschreiblich. Ich verabschiedete mich, verließ das Cafe (ihre Augen, immer wieder ihre Augen) und ging zu Fuß zum Maritim. Am Abend hatte ich eigenhändig ein paar Terroristenkommandos erledigt, die einen Flugzeugträger mit einer nuklearen Erstschlagswaffe gekapert hatten. Mein Job begann mich zu langweilen, und ich mußte dringend einen Headhunter anrufen, um etwas Neues zu finden. Wo war nur diese blöde Visitenkarte? Außerdem fiel mir auf, dass meine geistige Beweglichkeit nachgelassen hatte, und ich begann, supermegahammerharteundextraschwere Sudoku-Rätsel zu lösen. Im Vorbeigehen warf ich einen Blick in den Spiegel. Ich sah immer noch besser aus als Pierce Brosnan, von Daniel Craig ganz zu schweigen. Es klingelte. Ich ging zur Türe und öffnete. Irina stand leichtbekleidet und schon etwas angetrunken im Türrahmen, von wo sie mir um den Hals fiel.

Als Beitrag hierzu gedacht

Rauschen

Schöne Initiative in Annweiler am Trifels.
Via David kommt dieser Hinweis auf einen Gebetstag...
ElsaLaska - 23. November, 20:33
Maulkorb von links
Der klassische Maulkorb von rechts benutzt ja Paulus...
ElsaLaska - 23. November, 19:57
vergelesen
beim Stöbern in den reduzierten Restexemplaren...
zuckerwattewolkenmond - 23. November, 19:29
Tja. Jetzt habe
ich mir also die letzten Tage Prime suspect, die Complete...
Anobella - 23. November, 19:06
Max Frisch
Ich lese zwischendurch immer wieder gern in den gesammelten...
Frau Schaaf - 23. November, 15:16
Traumsplitter
Windgrün Ein scharfer Wind bläst und mir...
zuckerwattewolkenmond - 23. November, 11:03
Aua, schreit der Bauer!
Gestern Abend auf dem Weg vom Auto zur Wohnung bin...
Frau Schaaf - 23. November, 10:26
I could say bella, bella, even say wunderbar
zuckerwattewolkenmond - 22. November, 22:08

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