Zu laut
Andere Menschen empfinde ich derzeit wie auf volle Lautstärke aufgedrehte Lautsprecher. Ich kann mich bei der Anwesenheit von anderen Menschen kaum auf etwas Anderes konzentrieren, geschweige denn auf mich selbst und meine Gedanken und Gefühle. Dafür erfasse ich selbst feinste Nuancen im Verhalten anderer, und wenn ich öfter mit ihnen zu tun habe, manipuliere ich sie so lange, bis sie mir zu erkennen geben, dass sie mich mögen und ich mich nicht mehr von ihnen bedroht fühlen muss. Das Spiel kann so weit gehen, dass mir nur eine recht oberflächliche Sympathie signalisiert wird, die bei der ersten Gelegenheit in Ablehnung, Verachtung und Hass umschlägt. Fremde Menschen bescheren mir regelmäßig einen hohen Stresspegel, der sich bei mir in psychosomatische Reaktionen, wie z.B. einen erhöhten Blutdruck und Puls, umsetzt. Meistens nehme ich diese körperlichen Begleiterscheinungen gar nicht wahr. Abends ziehe ich dann ein klitschnasses T-Shirt aus und bin lediglich zu dem Gedanken fähig, dass der Tag anstrengend war. Oft ziehe ich mich einfach zurück, um wieder frei und ungebunden sein zu können. Ich finde einfach keinen Weg, dieses Gefühl auch bei anderen beibehalten oder mit ihnen teilen zu können.
WilderKaiser - 16. Februar, 23:32 in: Zeitlinien des Alltags
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