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Bitterkeit und Taumel

Smarf ist ein hochgelobter junger Autor, der aus seiner jahrelangen freiberuflichen Tätigkeit als Berater schöpfen konnte und uns Lesern nun seinen mit Spannung erwarteten Erstling vorlegt. "Heiterkeit und Melancholie" heißt das Werk, und die Protagonisten Michael und Merle sind mit einer solchen schmerzhaften und hellen Durchsichtigkeit gezeichnet, dass man manchmal einfach das Buch zur Seite legen und ein wenig träumen möchte. Pointiert und gekonnt führt uns Smarf in die Hölle der orgiastischen Swingerclubs, in denen sich während der Kohl- und Schröder-Ära eine entpolitisierte Sexualität Bahn brach und die gesellschaftliche Lethargie vergessen ließ. In dieses Bacchanal verpflanzt Smarf die Geschichte einer Liebe, die, anfänglich von Mißtrauen geprägt, zögerlich erblüht und in den letzten Kapiteln mit einem unvergleichlichen Furor auf die Katastrophe zusteuert. Im krassen Gegensatz dazu stehen die kontrastierenden Kapitel, die Michaels innere Verfassung während seiner Geschäftsreisen wiedergeben. Die äußere Welt ist grau, trist und trostlos. Michael empfindet sich immer mehr von dem geheimen Zentrum der Lust angezogen, das die von ihm besuchten Swinger-Clubs für ihn darstellen. Seine innere Zerrissenheit kommt am deutlichsten zum Vorschein, als er "wie ein Hund" vor der Besitzerin eines Swinger-Clubs im Dreck liegt und um Einlass bettelt, während Merle, bereits eingelassen, im Hochsteigen der Treppen auf Michael deutet und sich über seine desperate Lage zu amüsieren scheint. Die Schlüsselszene ist wohl diejenige, in der Michael, vom Akt mit einer gesichtslosen Partnerin gelangweilt, den Rücken Merles, die neben ihm auf dem Bauch liegt, mit faszinierenden Vergleichen beschreibt und ihn förmlich in den Sog seiner Sprache zu verschlingen scheint. Erst Merles Verschwinden rüttelt Michael auf und zwingt ihn, sich auf die Suche nach seiner Liebe zu begeben. "Heiterkeit und Melancholie" ist kein leicht verdaulicher Roman, der mit einem Augenzwinkern und einem Schuss Ironie den Irrsinn menschlicher Schicksale versüßt. Denn auch die deftigsten erotischen Szenen stehen für etwas anderes und sind ein Symbol für die Suche nach der eigenen Bestimmung.

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