Zweimal Einsamkeit
Eine kleine Hütte steht mitten im Hochgebirge, tief eingeschneit. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Da der Mantel wärmt und ein warmes Feuer lockt, ist es nicht wirklich kalt. Im Gegenteil, die Kälte ist erträglich; die Felsen glänzen schwarz im nassen Schnee. Nichts als Steine, Schnee und Geröll ringsherum. Jeden Tag steige ich zum Gipfel hoch, um auf die Wolkendecke hinabzusehen und einen Blick auf das Tal zu erhaschen. Der Himmel schickt ab und zu einen Schneeschauer. Am Kamin nicke ich ein und träume von einer Welt, die ich alleine bewohne. - Ich gehe langsam durch die herabfallende Dämmerung, die duftgeschwängerte Luft tief einatmend. Die grünen Kastanienblätter rascheln leise und erzählen mir von tiefen, unergründlichen Wundern. Ab und zu blitzt das Licht der fernen Sterne durch die Zweige. Es ist völlig still in der anbrechenden Sommernacht. Eine süße, verheißungsvolle Melodie, ein leises Summen, löst sich aus der Stille und streift mich mit einer Ahnung von Glück. Ich kann sie nicht festhalten und sehe lächelnd zu, wie sie sich funkelnd in die Dunkelheit verabschiedet.
WilderKaiser - 10. Juli, 21:22 in: Das Leuchten der blauen Blume
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