Geheimer Ort in Zentralgriechenland (8)
"Na, ihr beiden Superhelden, wieder aufgewacht?", sagte eine tiefe, dunkle Katzenstimme zu ihm, als Miks wieder die Augen aufschlug. Vor ihm und Muksch stand eine ausgewachsene Katze mit einer markanten Musterung des Fells: im Gesicht und am Kopf braun mit schwarzen Tupfern über den Nasen und den Augen, am Hals und am restlichen Körper in ein von Silberfäden durchzogenes Weiß auslaufend. Miks blinzelte zu ihr hoch. "Ich bin Sophia. Sophia Pythia.", stellte sie sich vor. Miks erinnerte sich an all die Legenden und Mythen, die sich bei den Ameisenvölkern um Katzen rankten. Es war also doch wahr, dass der Geist der Orakelpriesterin Pythia auf eine Katze übergegangen war. Miks und Musch lagen auf einer sonnenbeschienenen Steinterrasse, auf der man einen malerischen Ausblick auf ein Bergdorf hatte, das sich kaskadenartig zum Meer hinabschlängelte. "Habt keine Angst. Hier seid ihr vorläufig sicher. Ich habe euch etwas zu essen zubereitet. Es steht dort drüben. Erholt euch von euren Strapazen und meldet euch, wenn ihr etwas benötigt." Sie sah Miks und Muksch mit einem sonderbaren Silberblick an, der zugleich Verheißung und dunkle Ahnung ausdrückte. Dann verschwand sie lautlos hinter einem Vorhang, der in einem Türrahmen hing. Miks fühlte sich äußerst benommen. Aber er lebte, und sein erwachender, ungeheurer Appetit ließ ihn auf das von Sophia bereitgestellte Essen zukrabbeln. "Was ist denn jetzt schon wieder los?", rief Muksch. Er träumte; anders wußte sich Miks seinen Ausruf nicht zu deuten. Muksch machte einige angedeutete Abwehrbewegungen, die wie Schattenboxen aussahen, dann rief er erneut: "Weg da! Geh weg!" Es war an der Zeit, ihn aufzuwecken. "Muksch, wach auf!" Miks rüttelte ihn wach. "Miks, du hier?", fragte Muksch verwundert und sah ihn mit glänzenden Augen an. Er befand sich immer noch in seinem Traum. "Muksch, wir haben überlebt, zumindest das", seufzte Miks. "Auch wenn ich nicht weiß, wo wir sind und wer uns hierhergebracht hat. Aber es gibt was zu essen." "Waaas?" Muksch rieb sich die Augen. Offenbar entsprach das, was er sah, seinen Erwartungen, denn er war sofort bester Laune. "Fantastisch! Fantastisch!", rief Muksch immer wieder, als sie sich mampfend und kauend das bereitgestellte Essen einverleibten. Miks nickte stumm, hatte jedoch den Mund zu voll, um ihm beizupflichten. Sophia hatte ihnen kleine Fleischröllchen vorbereitet, die in Weinblätter eingerollt waren; sie hatte das Schulterfleisch in einen Sud aus Kräutern und Knoblauch eingelegt und es später mit einem Teigmantel langsam vorgebraten. Dazu gab es mit Kräutersahne gefüllte Oliven auf hauchdünnen Tomatenscheiben, die butterweich auf der Zunge zergingen, und knusprige kleine Brötchen aus Ölteig. Später lagen sie gesättigt und ausgeruht auf der Terrasse und beobachteten die Sonne, die als rote Scheibe im Meer versank. "Lass uns hier bleiben..." seufzte Muksch. "Was sind schon Feuerameisen in Australien gegen das hier?" "Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Sophia Pythia uns noch einige Überraschungen bescheren wird", antwortete Miks.
WilderKaiser - 8. Mai, 21:03 in: In 30 Tagen um die Welt

