Der Fund

Es war kalt und nass. Zu dritt stiegen sie auf matschigen Feldwegen eine Anhöhe hoch, wo schon mehrere Polizisten auf sie warteten. Ein massiger, älterer Mann mit grauem Vollbart kam auf sie zu. "Wir haben beinahe jeden Stein im Umkreis umgedreht. Ohne Ergebnis." Er zuckte bedauernd die Achseln. Kollmer ging auf die abgesperrte Fundstelle zu und sah, was er erwartet hatte: schlampige Arbeit. Ein rotes Absperrband knatterte hinter ihm im Wind. Er hörte eine sanfte Frauenstimme sagen: "Und, was sehen Sie, Herr Kollmer?" "Sagen Sie´s mir." "Sie ärgern sich über die bisher geleistete Arbeit." Er war verwirrt und schwieg. Sie hatte ihn durchschaut. Nach einer Pause sagte sie: "Nun, es ist keine große Kunst, das herauszufinden." Er drehte sich um. Sie lächelte ihn an. "Das ist noch nicht alles...", murmelte er. Und dann wußte er es. Ungefähr zweihundert Meter entfernt stand eine größere Baumgruppe unterhalb der Anhöhe. Dort sah er keine Polizisten, die das Gebüsch absuchten. Nur auf den Feldwegen sah er Polizisten in Zweiergruppen auf- und abgehen. Er winkte den älteren Mann zu sich. "Sehen Sie die Baumgruppe dort drüben? Warum wird dort nicht gesucht?" "Nun, ich nahm an, dass der Täter sie kaum dort unten ausgezogen und dann hier hochgeschleppt haben konnte. Es gibt auch keine Spuren, die darauf hindeuten." Er starrte den Beamten an. Langsam drehte er sich um und ging querfeldein auf die Baumgruppe zu. Schneider rief ihm etwas nach, das er nicht verstand. Die aufgeweichte Erde blieb an seinen Schuhen kleben. Je näher er den Bäumen kam, desto größer wurde seine Gewißheit. Die Baumgruppe wurde von einer großen Pappel überragt, deren Äste im Wind schwankten. Es war sehr schwer, sich durch das verwachsene Unterholz zu kämpfen. Er schob die Zweige zur Seite. Ein größerer Zweig schnellte zurück und zog ihm mit seinen Dornen einen blutenden Strich durch das Gesicht. Er fluchte und schob sich weiter in gebückter Haltung durch das Dickicht. Und dann beugte er sich unvermittelt über die gräßlich verstümmelte Leiche eines kleinen Kindes. Es war mit einem zerfetzen, blutgetränkten Unterhemd bedeckt.

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Elsa (anonym) - 9. April, 23:13

Mach doch

auch solche Verlinkungen nach vorne und hinten, dann behält man bessere Übersicht.
Zweimal hintereinander "sah er Polizisten", bei dem Kind hätte man gerne gewusst, ob es ein Baby oder ein größeres Kind ist, so circa das Alter. Also ich jedenfalls.
Schöner melancholischer Tonfall, weitermachen:)

WilderKaiser - 9. April, 23:27

Bin ich erleichtert,

dass du mir das vorschlägst. Ich zögerte wirklich lange und entschied mich dann dafür, es zu lassen. Ich wollte den Eindruck vermeiden, ich hätte mich schamlos woanders bedient. Ja, die Texte darf ich insgesamt nochmal überarbeiten. Jetzt habe ich mich doch für einen Krimi entschieden. Vielleicht, weil dieses Genre ein überschaubare Struktur hat, aber auch sehr flexibel ist, was die konkrete Ausgestaltung angeht. Nachtrag: die Verlinkung werde ich morgen ergänzen. Gute Nacht!

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