Der Schatten

Im Grunde genommen ließ er sich gehen, legte die Hände in den Schoß und wartete darauf, dass es vorüberging. Die Ermittlungsakten auf seinem Schreibtisch stapelten sich; aber er bevorzugte es, lange Mittagspausen einzulegen und vor dem Restaurant auf dem Marktplatz den vorbeiziehenden Wolken nachzublicken. Ab und zu erntete er einen mitleidigen Blick, den er auf sich beruhen ließ. Er wollte nicht darüber reden, was vor ein paar Wochen vorgefallen war. Die Nächte hindurch hielt er sich krampfhaft wach, und wenn er erschöpft einschlief, schreckte er meistens von einem Alptraum wieder hoch. Einige Jahre später sagte er zu einem Freund über diese Zeit: "Weißt du, ich beschäftigte mich ausgiebig mit der Frage, ob ich in den Abgrund springen sollte, der sich vor mir auftat." Seine Anträge auf eine längere Beurlaubung wurden regelmäßig abgewiesen. Seine Dienststelle wollte wegen fehlendem Personal nicht auf ihn verzichten. Er übte sich daher in passivem Widerstand. Jeden Abend, wenn er seine Wohnung aufschloss, wartete niemand auf ihn, und damit er das Gefühl der alles erdrückenden Einsamkeit abstellen konnte, schaltete er den Fernseher ein. Im obersten Fach seines überdimensionierten Kleiderschranks hatte er seinen Vorrat an Jack Daniels untergebracht, der ihm nach seiner eigenen Berechnung ungefähr ein Jahr reichen sollte, wenn er jeden Tag nur eine halbe Flasche trank. Am Wochenende wurde daraus eine ganze Flasche. Seine Wohnung glich einem Schlachtfeld: Zeitungsartikel lagen herum, dreckiges Geschirr türmte sich in der Küche, und sein Bett hätte dringend neu bezogen werden müssen. Das alles war ihm egal, solange sein Auto noch fuhr. Sollte es einmal nicht mehr fahren, so sagte er sich, wäre es an der Zeit gewesen, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Also betete er jeden Tag, wenn er sein graues, müdes und eingefallenes Gesicht im Badezimmerspiegel beim Rasieren betrachtete, darum, dass sein Auto am nächsten Morgen anspringen würde. Es sprang immer an, und er schlug auch an diesem Morgen den Weg zum Büro ein. Irgendein BGS-Beamter erwartete einen Bericht von ihm, den er ihm seit Monaten bereits versprochen hatte. Er fertigte ihn am Telefon mit ein paar knappen Worten ab, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und beobachtete seine Kollegen bei der Arbeit. Sie liefen hektisch hin und her und erinnerten ihn an Ameisen, die jeden eigenständigen Willen verloren hatten und nun sklavisch einem fremden Plan folgten. Er verachtete sie, ohne jeden Zweifel, und doch war ihm schmerzhaft bewußt, dass sie Recht hatten und nicht er. Sie handelten. Er tat gar nichts. Oft badete er sich geradezu in der Vorstellung, in der Öffentlichkeit von einem seiner Vorgesetzten als Schmarotzer und Faulpelz bezeichnet zu werden. Solange er sich das vorstellte, fühlte er sich unverwundbar. Er wußte noch nicht, dass sein Leben an diesem Morgen gründlich durcheinandergewirbelt werden sollte.

weiter zu Folge 2 "Präludium"
ElsaLaska - 9. April, 02:08

Gut,

die Aliens kommen ja sicherlich dann gleich ... *nickt zuversichtlich*

WilderKaiser - 9. April, 02:13

Wie...

...hast du das denn nun wieder erraten? Mein bestes Überraschungsmoment geht jetzt flöten; und dabei gab´s noch nicht mal Kohlsuppe. Alles war auf die Aliens hin angelegt. *grummel*
ElsaLaska - 9. April, 02:15

:(

Entschuldigung.

Könntest du den BGS-Beamten noch ein bisschen ausführen? Schwarzer Kashmirrolli, silbergrauer Messerschnitt, hünenhafte Gestalt? *gg*

WilderKaiser - 9. April, 02:23

Den BGS-Beamten...

...habe ich extra wegen dir eingebaut. Ach was, das Aussehen ist doch unwichtig. Er ist ein feiner Kerl, fast ein Kumpeltyp, hat das Herz auf dem rechten Fleck. Gegenüber Frauen verhält er sich ritterlich, aber bestimmt. Seltsam, dass dich die inneren Werte SO wenig interessieren. :-)))
Smarf - 9. April, 02:45

Hier nun möchte ich meinen Freund R. zitieren ...

... der anlässlich einer "Wertedebatte" (ihm stand ein Gespräch mit einem Personalberater vor) diese kurzerhand mit der Aufforderung zu beenden gedachte:

"Explore the body, then the mind.

Er hat den Job bekommen.
WilderKaiser - 9. April, 03:04

Erfolg...

...rechtfertigt ja jede Wahrheit, wie man bekanntlich schon festgestellt hat. Nur so am Rande. LG, WilderKaiser

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Rauschen

wohin auch immer du deine schritte setzt der staub an deinen...
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ElsaLaska - 21. August, 01:15
Vier Wochen warten
muß ich noch auf meine Überraschung. Meine...
zuckerwattewolkenmond - 20. August, 22:44
Smoking kills more
Das muss eine Menge Zeit gekostet haben, bis dieses...
hith - 20. August, 22:12
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Den Scipio da ausgegraben hat fällt wohl unter...
ElsaLaska - 20. August, 21:54
Meister der Improvisation
Langsam komme auch ich rein in diese Woche. Und das...
hith - 20. August, 21:50
Bilderrätsel.
Tiberius hat ein Beruferaten-Bilderrätsel eingestellt....
ElsaLaska - 20. August, 21:11
eben habe ich eine hose mit der hand umgenäht.
das floppte total. sieht ü b e l aus ... *betrachtet...
Anobella - 20. August, 16:41
Tränen der Erleichterung.
Sind heute schon geflossen, als sich herausstellte,...
ElsaLaska - 20. August, 16:14

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