Mozart und Gould
Wer wissen will, wie echt die verzehrende Flamme des Mozarthasses klingen kann, sollte sich die Einspielungen der Klavierkonzerte Mozarts mit Glenn Gould anhören. Glenn Goulds Interpretation des "Wohltemperierten Klaviers" von Bach zum Beispiel ist zum Niederknien, ein lyrisch-intellektueller, herber Genuss, aber die Klavierkonzerte Mozarts verzerrt er extrem und karikiert ihren Gestus, indem er die Tempi völlig unabhängig von Mozarts Vorgaben wählt und kaum von seinem Non-Legato-Spiel abweicht. Das erinnert mich an das griechische Schauspiel - wurde in der Tragödie die conditio humana so dargestellt, dass sie an die Sphäre des Göttlichen angrenzte (so dass in der Tragödie also metaphysische Fragen abgehandelt wurden), so folgte als Erleichterung und Ventil die Parodie, die vom meckernden Gelächter des Pan über die Unbeholfenheit des Menschen durchzogen war. Das literarische Porträt des Exzentrikers Gould lieferte Thomas Bernhard in seinem Buch "Der Untergeher", einem schmalen, aber äußerst lesenswerten Roman, der sich, thematisch passend, mit der Frage des menschlichen Scheiterns befasst.
WilderKaiser - 28. Januar, 12:11 in: Perspektiven
Ich liebe Gould,