Ziemlich lange suche ich jetzt schon ein kleines Café, in dem nicht geraucht wird, in dem ich nach der Arbeit meinen Gedanken nachhängen kann und in dem es genießbaren Kaffee und eine kleine Gebäckauswahl gibt. Gestern entdeckte ich gleich zwei davon. Eines liegt in der Innenstadt, ist hübsch eingerichtet, aber relativ klein und hat nur bis 18.30 geöffnet; das zweite liegt zwar an einer Ausfallstraße, ist aber größer und schöner als das erste und schließt eine halbe Stunde später, was mir sehr entgegen kommt. Ich habe mir jetzt vorgenommen, dort jeden Tag auf dem Nachhauseweg eine kleine Ruhepause einzulegen, Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Vielleicht habe ich morgen genügend Zeit, um es außen und innen zu fotografieren und ein paar Bilder einzustellen (was ich ja auch schon länger nicht mehr gemacht habe).
"Nun habt ihr es mit monströsen Verwerfungen zu tun, die euch beschäftigen und die ihr wie eine unverdiente Strafe empfindet. Um es auf einen Nenner zu bringen: diese Verwerfungen, diese Risse in eurer geordneten Sicht der Dinge werden solange fortbestehen und sich ausweiten, bis ihr die Augen öffnet und erkennt, dass ihr eure Kinder jahrelang geistig, emotional, seelisch und körperlich gedemütigt und vergewaltigt habt. Diese Taten verjähren nicht, sie können nicht einfach von der Tafel gewischt werden wie ein böser Scherz, sie brennen sich ein und leben wie ein Wundbrand in der verletzten Seele weiter.
Nein, in den kritischen Augen der gesellschaftlichen Instanzen steht ihr mit reinem Gewissen da. Ihr habt euch aufgeopfert, um euren Kindern zu ermöglichen, was euch selbst nie offen stand. Eure Kinder haben Berufe ergriffen, Familien gegründet und die Gesellschaft um weitere, demokratische und ehrenhafte Bürger bereichert. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Vieles von dem, was ihr getan habt, diente nur dazu, eine Fassade aufrechtzuerhalten, um niemandem einen Einblick in die wirklichen Verhältnisse zu bieten. Auch darüber zu sprechen ist tabu.
Ihr habt nie begriffen, dass eine Familie nicht hierarchisch aufgebaut sein kann, wenn sie diesen Namen verdienen will, und jeder für sich eine individuelle Persönlichkeit ist, die Respekt verdient. Als Gärtner kann ich den Boden bereiten für den Samen, aber ich freue mich am Wachstum und behandle eine Birke nicht anders wie eine Esche. Genausowenig kann ich Birke und Esche nicht dazu zwingen, als Eiche emporzuwachsen, auch wenn ich mir das noch so sehr wünschen würde."
Wenn jemandem jahrelang eingeredet wurde, das Blech, das er bekommt, sei wertvolles Gold, und er es mangels besseren Wissens glaubte - wer würde ihm einen Vorwurf machen? Wenn derjenige aber mit echtem Gold in Berührung käme, würde das Blech jeden Wert für ihn verlieren. Zwangsläufig würde er danach aber auch mit jenen Probleme bekommen, die mit Blech vor seiner Nase herumwedeln und darauf warten, dass er so wie früher Interesse an ihrem Blech zeigt.