Ich sitze an der Theke eines neueröffneten Cafes und spreche mit dem Barkeeper, der mich entfernt an einen alten Bekannten erinnert. Unglücklicherweise fällt mir aber sein Name nicht ein. Als ich die Cocktailkarte studiere, um etwas zu bestellen, winkt der Barkeeper ab, als wolle er sagen: "Lass sein, ich gebe einen aus!" Und tatsächlich kommt er hinter der Theke hervor und öffnet eine Flügeltür, die unter dem Tresen eingelassen ist und sich in meine Richtung aufziehen lässt. Dahinter steht ein großer Behälter, der mit einer alkoholischen Flüssigkeit gefüllt ist. Der Barkeeper nimmt einen Schlauch und hält ihn in ein hohes, schlankes Glas, das sich langsam füllt. Die Flüssigkeit ist farblos und hat fast gar keinen Geruch; im Traum weiß ich aber, dass es Gin ist. Ich nippe am Glas, aber der Barkeeper wollte noch etwas schwarzen Beerensirup hinzugießen und nimmt mir das Glas sofort weg, nachdem ich es abgesetzt habe. In meinem Mund breitet sich von meinem ersten Schluck ein intensiver Geschmack von Pfefferminz aus. Etwas später stehe ich vor dem Gebäude und betrete einen Kabinenaufzug, der direkt von der Straße aus zugänglich ist. Hinter einer weißen Art-decó-Türe verbirgt sich der Aufzugschacht, während sich direkt daneben der Eingang zum Cafe befindet. Der Aufzug ist uralt, aber die Kabine ist aus edelsten Hölzern und wurde auf Hochglanz poliert. Während der Fahrt schrammt der Aufzug an den Schachtwänden entlang, und die quietschenden Geräusche erwecken wenig Vertrauen, so dass ich ständig Angst habe, die Aufzugseile könnten reißen und ich würde zusammen mit dem Aufzug ungebremst in die Tiefe rasen. Nachdem ich mehrere Male mit dem Aufzug auf und ab gefahren bin, steige ich im vierten Stock aus, in dem ein vornehmes Restaurant untergebracht ist. Ich bemerke, dass das Restaurant übervoll ist, und habe auch den Grund für mein Aussteigen in diesem Stockwerk vergessen. Ich laufe quer durch das Restaurant zu einem überladenen Garderobenständer und suche dort meine terracottafarbene Jacke, weiß aber ganz genau, dass ich sie im Cafe im Erdgeschoss liegen gelassen habe. Auf dem Weg zum Garderobenständer begegnet mir S., deren massive Korpulenz mir wie immer Angst einflößt. "Ja, hallo, was suchst du denn hier?", fragt sie mich. Ich werde nervös wie jemand, der bei etwas Verbotenem ertappt wurde, und antworte stammelnd: "Ich suche meine Jacke, die etwas abgetragen ist. Eigentlich sehr abgetragen. Ich sollte dringend meine Garderobe erneuern." Während dieses Gesprächs gehen wir bereits zu einem weiteren Aufzug, dessen Kabinenboden die ungewöhnliche Form eines Trapezes aufweist. Es befindet sich bereits in der Kabine, der sich mit einem Seufzer in eine Ecke zurückzieht, als wir beide einsteigen. Dieser Aufzug ist nur mit grauen Plastikwänden ausgestattet und beeindruckt nicht aufgrund seines luxuriösen Innenlebens. Er ist jedoch hochmodern und auf dem neuesten Stand der Technik. S. und ich unterhalten uns weiter, aber das Gespräch plätschert belanglos dahin und verliert sich in Banalitäten.
WilderKaiser - 11. Juni, 18:45 in:
Träume
Ihr wolltet es so! Seit Wochen führt dieser Begriff die Liste der Suchbegriffe an, über die wissbegierige Google-User auf mein Blog gelangen. Ich verstehe diesen Beitrag als Service für diese meist anonymen Leser und möchte noch einmal ganz klar unterstreichen,
dass ich in keiner wie auch immer gearteten Beziehung zu dieser Person stehe (im Grunde genommen ist sie mir nämlich egal, aber ich bin ja ein Dienstleister). Gut, also fangen wir an. Tatjana Gsell wurde 1971 in der unterfränkischen Stadt Ebern geboren, deren Wappen ungefähr so aussieht:
Nach mehreren gescheiterten Beziehungen mit Problembären gewann sie in hohem Alter den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk und wurde zur schönstoperierten Frau Unterfrankens gekürt. Aber das sind schon zukünftige Ereignisse - nicht dass ich hier falsch verstanden werde. Das war´s. Was, ihr hattet mehr erwartet? Schämt euch!
Der erste Versuch war wenig geplant und eher ein spontaner Entschluss. Da mein Vater als Waffennarr mehrere Pistolen und Gewehre in einem frei zugänglichen und nur mit einem Vorhangschloss gesicherten Metallschrank aufbewahrte, war es für meinen Bruder ein Leichtes, das Schloss aufzufeilen und eine Pistole herauszunehmen. Mein Bruder war zu dieser Zeit alleine zu Hause; er hatte also genügend Zeit zur Verfügung, um sich die Waffe zu besorgen. Seinen eigenen Erzählungen nach waren es mehrere grauenvolle Stunden, die er am Küchentisch sitzend verbrachte; er starrte die Waffe an, nahm sie mehrere Male prüfend in die Hand und legte sie wieder auf den Tisch. Seine Gedanken könne er gar nicht wiedergeben und er meinte, er habe vielleicht auch gar keine gehabt, sondern habe nur in seine eigene innere Leere hineingehorcht, ob nicht ein Widerspruch vorhanden sei, irgendein übersehener Grund, der ihn davon abhalten hätte können, sich das Leben zu nehmen, aber da war nichts. Also lud er die Waffe, hielt sich die Mündung an die Schläfe und drückte ab. Es geschah nichts. Entweder hatte er vergessen, die Waffe zu entsichern, oder sie blockierte just in diesem Moment, oder er konnte mit ihr nicht umgehen und glaubte nur, abgedrückt zu haben - er erlitt jedenfalls einen minutenlangen Schüttelanfall und suchte danach Unterschlupf bei einem sehr guten Freund. Unsere Eltern reagierten wütend, weil sie sich gekränkt fühlten. Aber sie unternahmen nichts, um meinem Bruder in irgendeiner Weise zu helfen. Der zweite Versuch ereignete sich im Zusammenhang mit einem Fest, bei dem sich alle unsere gemeinsamen Bekannten einfanden. Das Fest fand irgendwo außerhalb auf einem Privatgelände statt. Mein Bruder, so erzählt man mir später, sei plötzlich verschwunden und habe nichts außer Ratlosigkeit zurückgelassen. Ich kann mir diese Situation sehr gut vorstellen - auf dem Höhepunkt des Festes erreichte auch seine innere Verzweiflung und Einsamkeit einen Höhepunkt, und er ging einfach. Das Tückische daran war wohl, dass er selbst zu denen zählte, die ständig Witze rissen und die gesamte Festgesellschaft unterhielten. Sein Verschwinden blieb nicht unbemerkt; das ganze Fest fiel ins Wasser, da alle plötzlich nach meinem Bruder suchten. Er scheint damals mehrere Stunden auf freiem Feld herumgeirrt zu sein und kam schließlich in seiner Wohnung an, wo er eine Überdosis verschiedenster Tabletten schluckte. Danach ging er schlafen. Glücklicherweise kam sein damaliger Freund, mit dem er die Wohnung teilte, rechtzeitig nach Hause und erfasste die Situation blitzschnell. Er ließ meinen Bruder schlafen und alarmierte den Notarzt nicht - er war selbst ausgebildeter Krankenpfleger, wachte über seinen Schlaf und hätte sofort eingegriffen, wenn sich der Zustand meines Bruders verschlechtert hätte. Mein Bruder hatte Glück. Außer einer tagelangen Übelkeit hatte auch dieser zweite Selbstmordversuch keine weitere Folgen. Doch die inneren Wunden wollten und konnten nicht verheilen.