Meine allerliebste Kollegin tauchte heute, unverkennbar extrem angeschickert, bei mir am Schreibtisch auf und versuchte, mich mitten im Gefecht von meiner Arbeit wegzuziehen. Ein Kollege, mit dem ich gerade einige Informationen austauschen wollte, saß bei mir, ich telefonierte mit einem Lieferanten, da schrieb sie mir in unentzifferbarer Schrift auf einen Block: "In zwei Minuten im ....raum." Ich nickte ihr kurz zu. Als sich das Gespräch mit dem Techniker doch ein wenig länger hinzog, telefonierte sie mich aus dem Nebenraum an: "Wo bleibst du denn?" Ein wenig angenervt ließ ich alles liegen und stehen und ging zu ihr in den Nebenraum. "Ja, ich heiße ab jetzt B." Stille. "Aha, du hast also
auch geheiratet?" "Jaaaaaaa. Gestern." Am 06.06.06 also. Tolles Datum. Das war jetzt etwas sehr plötzlich. Dann sprudelte sie los, erzählte mir lang und breit von ihren Plänen, die alle darauf hinausliefen, dass sie maximal noch ein Jahr bei uns arbeiten würde. Gestern hatte sie standesamtlich geheiratet, und in vier Wochen sollte also die kirchliche Hochzeit folgen. Ich brachte irgendwo meine Glückwünsche unter, wurde halb umarmt (eine spezielle Technik, bei der man den Partner seitlich zu sich heranzieht) und zeigte wenig Begeisterung. Dennoch fühlte ich, wie sie meine Reaktion aufmerksam beobachtete. "Ja, schade. Das bedeutet ja, dass du uns innerhalb des nächsten Jahres verlassen und komplett aus R. wegziehen wirst.", sagte ich. "Genau. Mein Gott, ich brauche einen Kaffee. Ich habe heute schon mindestens fünf Piccolo getrunken, und am Nachmittag muss ich noch in die Personalabteilung." "Ich kann dir nur einen guten Rat geben: geh nachmittags nach Hause, und vergiss das mit der Personalabteilung."