Geheimer Ort in Zentralgriechenland (11)
Sophia fuhr ungerührt von den staunenden Ameisen fort: "Ich glaube, ich muss euch einiges erklären. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll. Nun gut, alles begann damit, dass der Mensch vor Jahrzehnten begann, in großem Stil Wälder zu roden. Das war ein Verstoß gegen die stillschweigende Übereinkunft, dass das flache Land dem Menschen gehörte, der Wald aber allen wilden Tieren Zuhause und Zuflucht sein sollte. Es war bis jetzt noch nie passiert, dass der Mensch versuchte, in die Reservate der Tiere einzudringen. Gut, es hatte immer Völker gegeben, die dem Wald überhaupt keine Achtung entgegenbrachten und ihn als störend und hinderlich empfanden, wie etwa die Römer. Aber der Wald eroberte sich zurück, was ihm der Mensch genommen hatte, wenn auch nicht unbedingt an derselben Stelle. Die wilden Tiere lebten ihr gückliches Leben, abgeschieden von den lärmenden Gestaden der Menschen, und man hätte bis zum Ende der Welt gut miteinander auskommen können. Das kreischende Lied der Kettensäge und der feine Duft des Rodungsfeuers aber setzte nun ganze Tierstämme in Bewegung und trieb sie in Gegenden, in denen sie den angestammten Bewohnern die karge Beute wegfraßen, so dass die unterlegenen Populationen nach und nach ausstarben. Aber das war nicht das einzige Übel. Denn genau an den Stellen, an denen der Mensch gewütet hatte, sah man neue Tiere entstehen, unemepfindlich gegen die Menschen, Aasjäger, schwarze Insekten, die einen ekelhaften Geruch verströmten und die Luft verpesteten, Nager, die sich in irrsinnigen Zyklen ohne Sinn und Verstand vermehrten, und das alles nur mit dem einen Ziel, alle anderen Tiere zurückzudrängen. Sie trauerten nicht, wenn der Mensch sie massenweise tötete, sie steigerten einfach die Zahl ihrer Nachkommen. Und so schmolz auch das Bündnis der Tiere untereinander langsam auf ein paar Unentwegte zusammen, die sich gegenseitig unterstützen und helfen, wo sie nur können. Es wurde ein Rat der Tiere ins Leben gerufen, um der wachsenden inneren und äußeren Bedrohung Herr zu werden. Ihm gehörten die edelsten Tiere des jeweiligen Stammes an; aber Einzelinteressen verhinderten auch hier, dass wir eine schlagkräftige Truppe bilden konnten. Und immer deutlicher vernehmbar klopfte die bedrohlich wachsende Gemeinschaft der neuen Generation an unsere Türe, während hinter dieser Türe über einzelne Fleischmengen gestritten wurde, die einem Tiger zum Verzehr gestattet waren. Eine kleine Gruppe spaltete sich von diesem Rat ab und wollte mit ihrem Handeln ein Zeichen setzen. Sie organisierte Konferenzen, in denen jede Stimme gehört wurde, schlichtete Streitigkeiten und versorgte diejenigen, die besondere Not litten." Miks und Muksch folgten atemlos ihren Ausführungen, während Captain Carlos unruhig auf und ab ging, mit den Augen den Horizont absuchend. Miks besann sich und wollte eine Frage stellen. "Nicht so hastig, mein junger Freund. Du erfährst es schon zur richtigen Zeit.", sagte Sophia, ihn sanft zurechtweisend.
WilderKaiser - 13. Mai, 02:03 in: In 30 Tagen um die Welt

