Heute morgen weckte mich mein Handy, das mir eine verschlüsselte Nachricht anzeigte. Noch im Laufe des Vormittags sollte mir ein Brief von einem Boten zugestellt werden, worin ein genauer Zeitpunkt und Ort für ein Treffen genannt werden würden. Ich wußte, dass mich Irina bereits erwartete. Also warf ich mich in Schale und fuhr mit meinem eisgrauen Aston Martin zum Frühstück. Irina saß da, perfekt in einem dunkellila Einteiler gekleidet, und ringelte gelangweilt eine pechschwarze Strähne um ihre Finger. Sie lächelte schelmisch, als sie mich auf sie zukommen sah. Ich gab ihr einen Kuss. "Du siehst heute wieder fantastisch aus", flüsterte ich ihr ins Ohr. Sie drückte mich an sich. Ich bestellte Kaffee und blickte ganz kurz auf den Signalempfänger, den ich am rechten Handgelenk trug. "Und: wieder im Einsatz, Mister Bond?" "Ach, du weißt, dass ich es hasse, wenn du mich so nennst." Sie lachte kurz auf. Die Bedienung brachte mir einen Kaffee. Wieder ein möglichst unauffälliger Blick auf das Handgelenk. Ich sah eine kleine, blinkende rote Kugel. Irina war eine ehemalige Doppelagentin, die wesentlich zum Zusammenbruch des sowjetischen Riesenreichs beigetragen hatte. Wir blickten uns vielsagend in die Augen. "Irina, ich habe nicht viel Zeit. Sehen wir uns heute abend?" "Naja, ich werde sehen, was sich einrichten läßt." "Dann stelle ich schon mal eine Flasche kalt." "Riserva del Fondatore." "Ich weiß nicht mehr, wie dein Lieblingsgetränk heißt, aber ich habe vorsichtshalber alle Restbestände aufgekauft." Wieder ihr Lächeln. Sie war einfach unbeschreiblich. Ich verabschiedete mich, verließ das Cafe (ihre Augen, immer wieder ihre Augen) und ging zu Fuß zum Maritim. Am Abend hatte ich eigenhändig ein paar Terroristenkommandos erledigt, die einen Flugzeugträger mit einer nuklearen Erstschlagswaffe gekapert hatten. Mein Job begann mich zu langweilen, und ich mußte dringend einen Headhunter anrufen, um etwas Neues zu finden. Wo war nur diese blöde Visitenkarte? Außerdem fiel mir auf, dass meine geistige Beweglichkeit nachgelassen hatte, und ich begann, supermegahammerharteundextraschwere Sudoku-Rätsel zu lösen. Im Vorbeigehen warf ich einen Blick in den Spiegel. Ich sah immer noch besser aus als Pierce Brosnan, von Daniel Craig ganz zu schweigen. Es klingelte. Ich ging zur Türe und öffnete. Irina stand leichtbekleidet und schon etwas angetrunken im Türrahmen, von wo sie mir um den Hals fiel.
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